Ursprünglich sollte der zweite Blogeintrag ja ein anderer werden, nun kommt der also auf Platz 3. Außerdem kann es sein, dass ich vielleicht Ideenklauerin bin. In diesem Fall möge man mir dieses verzeihen, dies ist nicht meine Absicht und ausnahmsweise begebe ich mich hier in eine Art Selbsttherapie.
Aus aktuellem Anlass möchte ich nun über etwas schreiben, das mich derzeit sehr beschäftig. Und zwar so sehr, dass es mich in anderen, wichtigen Dingen blockiert. Und indem ich es nun aufschreibe, also die Gedanken aus mir heraus lasse, hoffe ich, dadurch gewisse Dinge loslassen zu können, damit ich mich endlich wirklich Wichtigem widmen kann. Nun wird es in einigen Passagen schon sehr persönlich, was ich eigentlich gern vermeiden wollte. Und ob es eine gute Idee ist, weiß ich nicht, aber das Risiko werde ich nun wohl einfach mal eingehen müssen.
Nun also, ich befinde mich ja derzeit in einer Findungsphase der Extreme. Es ist so, dass sich so einiges, was ich bisher in meinem Leben für lebenswert hielt, auf einem extremen Prüfungsstand befindet. Es wird alles beleuchtet von allen Seiten, und auch die Schattenseiten werden begutachtet, ob diese nun lebenswert sind oder nicht. Es ist ein bisschen, wie wenn man ein Kartenhaus baut, und alles bis ins kleinste Detail wundervoll ausschmückt. Und wenn man meint, es sei fertig, begutachtet man es im Ganzen und man stellt fest, man kann es aus den Gründen X,Y nicht so lassen oder es gefällt einem schlicht und einfach nicht. Die einzige Lösung? Kaputtschlagen und wieder neu aufbauen, von 0 anfangen, sich neu anstrengen. Und in solchen Momenten kommt man dann, mehr als einmal und mehr als einen lieb ist, in Kontakt mit sich selbst und damit auch seinen Schmerzen und Schwächen.
Doch, so bequem wie wir Menschen wohl sind, ist nicht etwa unsere erste Reaktion:“Toll, dieser Schmerz. Woher kommt er? Warum ist er da? Wie kann ich diesen Part meines Lebens jetzt heilen?“ Nein unsere normale Reaktion ist:“Oh nee, das tut weh. Da geh ich nicht hin. Und wenn ich auch nicht ausweichen kann, dann bleib ich halt sitzen, dann geht es eben nicht weiter. Naja, morgen vielleicht. Aber heute, nee, also heute muss ich mir das echt nicht antun.“ Die normale bequeme menschliche Reaktion. Es wird ignoriert und schön weit runter gedrückt. Und an genau diesem Punkt haben wir nun das „fatale und gefährliche“ Internet.
Es kann schön sein, und es gibt so viele tolle Dinge, die wir dank des Internets miteinander teilen, über die wir zusammen lachen und weinen können. Das Internet ist die virtuelle Verbindung der gesamten Welt. Doch allzu leicht wird es auch gern von uns ausgenutzt. Denn wir wollen nicht durch die Schmerzen gehen, aber wir wollen erleben, was im realen Leben nur hinter diesen Schmerzen möglich ist.
Stell dir vor, du fällst in ein Loch. Also, du bist depressiv, schlecht gelaunt. Und anstelle dir zu sagen, wie du aus diesem Loch herauskommst, kommt einer und bietet dir eine Brille an, eine magische 3D-Brille. Diese setzt du auf und fängst an dein Leben zu tapezieren, wie du es dir wünschst. Mit viel Erfolg und tollen Dingen und ohne diese lästigen Schmerzen des reellen Lebens. Man hat virtuellen Kontakt zu anderen und man kann sich sein Leben bunt malen. Und das verheerende ist, das man virtuell „echte“ Reaktion auf seine „Taten“ bekommt. Andere, die genau wie man selbst sich, einige mehr, andere weniger, in dieses unreale Leben verflüchtigen, applaudieren einem, jubeln einem zu. Toll, wie du das machst. Klasse, du bist ja richtig erfolgreich. Du erzählst ja auch nur, was du willst. Und es gibt den einen oder anderen naiven, der dich tatsächlich als diesen Superhelden hält, als den du dich nur ausgibst.
Doch so schnell wie diese gekommen sind, können diese auch wieder verschwinden. Sie sind plötzlich nicht mehr da, weil auch nie wirklich da gewesen, weil das alles nur virtuell ist. Und an dem einen oder anderen Punkt wirst du wohl oder übel deine magische 3D-Brille abnehmen müssen. Du wirst sehen, dass du immer noch nur in diesem schwarzen Loch bist. Du bist nicht da draußen der Superheld, der erfolgreiche, der übernatürliche, DER Macher (der Einfachheit halber männlich gelassen, aber auch Frauen sind gemeint ;)). Du bist und bleibst schlicht und einfach ein Mensch.
Doch es gibt sie, diese Macher in der realen Welt. Und fragst du sie, werden sie dir erzählen, wie sie durch diese Schmerzen hindurch gegangen sind anstatt sie ignoriert zu haben. Sie sind hunderttausend Male hingefallen. Wie jeder. Nur der Unterschied ist, sie sind das Risiko eingegangen und deshalb konnten sie bei dem hunderttausendersten Mal wieder aufstehen und über diese Klippe rüber springen.
Je nach ihrem Alter hatten sie in diesem Leben das Internet vielleicht nicht. Diese schöne Nebensache, in der alles so einfach ist. Sie wollten etwas, und haben dafür etwas im reellen Leben getan, anstatt ihre Energie in einem virtuellen Leben verpuffen zu lassen. Sie haben die Energie genutzt, und zwar reell und jetzt berichten diese Macher, von diesem reellen Leben, im Internet. Sie benutzen es, damit sie damit anderen Menschen erreichen. Und anstelle uns das anzuhören, und zu sagen:“ Wow, das will ich auch. Wo ist der Schmerz in meinem Leben? Lass mich das schnell hinter mich bringen!“ sagen wir stattdessen, cool, ja aber ich bin ja auch etc. pp.
Dieses Leben im Internet gaukelt uns auch vor, das alles so einfach und schnell zu machen sei. Doch gut Ding will Weile haben, dies war vor 500 Jahren so, es ist auch heute noch so (auch wenn wir uns das nicht eingestehen wollen) und es wird in den nächsten 500 Jahren nach wie vor so sein. Schnella, höha, weita ist unsere Phantasie, aber das Gras wächst deswegen nicht schneller.
Das Internet ist zu voll von Menschen, die ihr „mehr Schein als Sein“ Leben darstellen, anstelle sich um die Schattenseiten zu kümmern. Ich gebe zu, in gewisser Weise bin ich in eine Art Sog hineingeraten und habe mich mitziehen lassen. Der Schmerz, den ich jetzt spüre, der ist schon immer dagewesen. Wenn er jetzt stark erscheint, dann nur, weil er sich mit voller Wucht den Weg nach oben gebahnt hat.
Es ist halt immer so, je mehr man etwas zu ignorieren versucht, desto stärker wird dieses Etwas und irgendwann scheint es ein großes Monster zu werden. Und in dem Moment, wo wir uns darum kümmern, ist es plötzlich wieder ganz klein und wimmernd. Und dann, ganz schnell, wir haben es gar nicht gemerkt, sind wir durch diesen Schmerz hindurch und befinden uns auf der anderen Seite und wow, das Leben, das wir uns virtuell vorgestellt haben, ist real.
Wie oft ich bereits hingefallen bin, weiß ich nicht, ich habe irgendwann aufgehört zu zählen. Ich schätze ich sollte damit wieder anfangenn, damit ich mich mit jedem neuen Fallen freuen kann, dass ich ein Stück näher bin an meinem eigenen hundertausendundersten Mal…
Nicht schlecht! Das bringt einen echt zum nachdenken und gibt Motivation...
AntwortenLöschenSo wie du es beschreibst, hab ich keine Angst, dass du nicht aus dem Loch rauskommst!
Danke liebe Christina ;o)
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