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Sonntag, 9. Mai 2010

Wie ein Fußballspieler auf dem Baseballfeld

Stell dir mal folgendes vor: Du stehst am Spielfeldrand und schaust deinen Freunden beim Baseballspielen zu. Du siehst die Motivation, den Enthusiasmus, das Leuchten in den Augen, weil diese Menschen dieses Spiel so sehr lieben.

Dann denkst du dir, das willst du auch. Du willst voller Hingabe zu dem was du tust, alles um dich herum vergessen können. Plötzlich der Blitzgedanke: Fußballprofi. Du siehst noch vor dir, wie du als Kind mit deinem Papa ganz gebannt vor der Mattscheibe klebtest und ihr eurem Idol zugejubelt habt. Du spürst diese kindliche Freude noch heute in dir. Das ist es, der vergrabene, verloren gegangene Traum: Ich will Fußball spielen.

So ziehst du also los, mit diesem Kindheitstraum in dir, in das nächste Sportwarenfachgeschäft. Der Verkäufer berät dich äußerst kompetent, und so legst du dir also alles an, was du wirklich brauchst, um loslegen zu können. Mit der kompletten Uniform bewaffnet, vom Trikot bis hin zu den passenden Schnürsenkeln, gehst du höchst motiviert los. Und stopp… denn genau an diesem Punkt machen viele Menschen eben genau diesen einen Fehler. Welchen?

Nun, ganz einfach: Da sich die meisten Menschen auf diesem neuen Terrain nicht auskennen und vor lauter Motivation gar nicht die Geduld haben, sich zu informieren, laufen sie drauf los. Sie wissen es nicht besser, und gehen nun zurück auf das Baseballfeld zu den Freunden. Kannst du dir in etwa vorstellen, was jetzt kommt? Du gehst also in voller Fußballermontur auf das Baseballfeld, denn du willst ja deinen Freunden zeigen, wie toll du bist.

Zuerst schauen deine Freunde etwas misstrauisch, doch dann denkt sich einer, was soll‘s, geben wir ihm eine Chance. Du bekommst also den Ball zugeworfen, fängst ihn und bist irritiert. Werfen? Mit dem Ball in der Hand umherlaufen? So habe ich mir das aber nicht gedacht, es heißt doch nicht umsonst FUSSball…hm, nun gut, vielleicht ist es am Anfang ja so. Und dann machst du erst mal mit.

Doch du brennst darauf, dem Ball HINTERHER zu laufen, hineinzutreten, ihn ins Tor zu schießen, DAS war doch das, weswegen du dich für Fußball entschieden hast. Und nun musst du die ganze Zeit, den Ball in der Hand haltend, den anderen Mitspielern davonlaufen. Du läufst, wirfst und fängst und läufst wieder, bis du resignierst. Und total frustriert vom Spielfeld gehst. Toll, das hast du dir aber anders vorgestellt. Das motiviert dich gar nicht. Und was tust du im schlimmsten Fall? Genau, Uniform ausziehen in die Ecke schmeißen und völlig verzweifelt denken: „Mist, nicht einmal dazu bin ich in der Lage.“

Oh je, armer bedauernswerter Einzelfall. Ach herrje, armes Ding. STOOOOOPP!!! Wer ist hier bedauernswert? Wohl nicht du, sondern deine Seele. Endlich hattest du begriffen, worum es in deinem Leben geht, und doch bist du es falsch angegangen. Also zurückspulen…bis zu dem Punkt, an dem du in dem Laden fertig angezogen stehst. Was machst du nun also? Du informierst dich. Du fragst den Verkäufer, wenn der dir nicht weiterhelfen kann, gehst du ins Internet. Du schaust in die Zeitung, du fragst im Freundes- und Bekanntenkreis herum, so lange bist du es gefunden hast: Das Fußball-Trainings-Team deines Ortes. Du lernst den Coach kennen, den richtigen, den, den du jetzt brauchst. Der, der dir das richtige erklärt, und dich über den Platz scheucht, den Ball hinterher, er lässt dich zigmal in den Ball treten, bis du es geschafft hast, diesen ordentlich ins Tor zu schießen. Er pfeift dich zurück, er schreit dich an, er kommandiert dich herum. Aber das ist dir alles egal, denn du hast es geschafft. Du bist da, du bist angekommen. Was du schon immer machen wolltest, du spielst Fußball…ist das Leben nicht herrlich???

Was ich damit sagen möchte? Nun, wenn ich bisher in einem Supermarkt Käse verkauft habe, mich aber nun entscheide singen zu wollen, sollte ich nicht meinen Supermarktleiter um Tipps fragen. Und mich dann wundern, dass der mich womöglich noch auslacht. Ich informiere mich, suche mir einen Gesangscoach, und dieser trainiert mich. So lange wie ich will, so lange bis ich es geschafft habe. Und dann bezaubernd lächelnd als der große gefeierte Star in meinen alten Supermarkt zurück komme und Käse kaufe…

In diesem Sinne frag dich, was ist dein Traum? Wer kann dir helfen, wer kann dir ernsthafte Ratschläge geben?